Wer ein Odoo.sh-Projekt betreibt, sollte nicht der einzige Mensch mit Vollzugriff sein. Urlaub, Krankenstand oder ein Wechsel im Team, und plötzlich kommt niemand mehr an die Projekteinstellungen, die Backups oder die Produktivdatenbank. Ein zweiter Administrator ist deshalb kein Nice-to-have, sondern schlicht Betriebssicherheit.
Die gute Nachricht: Der Vorgang dauert keine zwei Minuten. In dieser Anleitung zeige ich Schritt für Schritt, wie Sie einen weiteren Administrator zu Ihrem Odoo.sh-Projekt hinzufügen.
Voraussetzungen
Bevor Sie starten, sollten drei Dinge geklärt sein:
- Sie selbst sind Administrator des Projekts. Nur Admins können die Projekteinstellungen öffnen, alle anderen Rollen sehen diesen Bereich gar nicht.
- Die neue Person hat ein GitHub-Konto. Odoo.sh verwaltet Zugriffe ausschließlich über GitHub-Benutzer, eine reine E-Mail-Einladung gibt es nicht.
- Sie kennen den exakten GitHub-Benutzernamen. Nicht die E-Mail-Adresse und nicht den angezeigten Klarnamen, sondern den Handle aus dem Profil-URL, also den Teil nach github.com/.
Schritt 1: Bei Odoo.sh anmelden
Öffnen Sie odoo.sh und klicken Sie rechts oben auf Sign in.

Schritt 2: Über GitHub authentifizieren
Odoo.sh leitet Sie zur GitHub-Anmeldung weiter. Der Hinweis "to continue to Odoo.sh" zeigt, dass die Weiterleitung korrekt ist. Melden Sie sich mit Ihren GitHub-Zugangsdaten an, alternativ per Passkey oder über Google beziehungsweise Apple, sofern Ihr GitHub-Konto damit verknüpft ist.

Ein praktischer Hinweis am Rande: Wenn für Ihr GitHub-Konto Zwei-Faktor-Authentifizierung aktiv ist, halten Sie Ihr zweites Gerät bereit. Falls sie noch nicht aktiv ist, wäre jetzt ein guter Zeitpunkt dafür, schließlich hängt der Zugang zu Ihrer Produktivumgebung an diesem Konto.
Schritt 3: Projekteinstellungen öffnen
Nach der Anmeldung landen Sie auf der Übersicht Your Projects. Jede Projektkachel hat am unteren Rand eine Symbolleiste. Klicken Sie dort auf das Zahnrad-Symbol, das die Projekteinstellungen direkt öffnet.

Alternativ öffnen Sie das Projekt über Open und wechseln dann in der oberen Navigation auf den Reiter Settings. Das Ergebnis ist dasselbe.
Schritt 4: GitHub-Benutzernamen eintragen
In den Einstellungen finden Sie den Abschnitt Collaborators. Tragen Sie im Eingabefeld den GitHub-Benutzernamen der neuen Person ein und bestätigen Sie mit Enter.

Odoo weist im Beschreibungstext bereits auf zwei wichtige Punkte hin: Die Rollenrechte steuern den Zugriff auf Produktivdaten und Einstellungen, und die Push-Berechtigungen auf das Repository werden separat auf GitHub verwaltet. Dazu unten mehr.
Sie arbeiten mit der HCFS GmbH zusammen?
Dann tragen Sie an dieser Stelle bitte folgenden GitHub-Benutzernamen ein:
derfessl
Das zugehörige Profil finden Sie unter github.com/derfessl. In das Eingabefeld gehört ausschließlich der Benutzername derfessl, nicht die vollständige URL.
Schritt 5: Rolle auf "admin" setzen
Der neue Eintrag erscheint jetzt in der Liste, standardmäßig mit der Rolle Developer. Öffnen Sie das Dropdown rechts neben dem Namen und wählen Sie admin aus.

Die Änderung wird sofort gespeichert, ein separater Speichern-Button ist nicht nötig. Über das rote Kreuz daneben lässt sich der Zugriff jederzeit wieder entziehen.
Fertig. Die Person kann sich ab sofort mit ihrem GitHub-Konto bei Odoo.sh anmelden und sieht das Projekt in ihrer eigenen Übersicht. Informieren Sie sie am besten kurz, dass der Zugang eingerichtet ist.
Die drei Rollen im Überblick
Odoo.sh kennt drei Berechtigungsstufen. Der Unterschied ist relevant, denn nicht jede Person im Team braucht Vollzugriff:
| Rolle | Zugriff |
| Admin | Vollzugriff auf alle Funktionen inklusive Projekteinstellungen und Audit Logs |
| Tester | Zugriff auf Staging- und Development-Datenbanken, arbeitet mit Kopien der Produktivdaten, aber ohne Zugriff auf die Produktivdatenbank |
| Developer | Zugriff nur auf Development-Datenbanken, weder Staging noch Produktion |
Wichtig: GitHub-Rechte sind eine eigene Baustelle
Ein häufiges Missverständnis in der Praxis: Die Odoo.sh-Rolle regelt nur, was innerhalb der Odoo.sh-Oberfläche möglich ist. Wer auf das verknüpfte GitHub-Repository pushen darf, entscheiden Sie separat in den Repository-Einstellungen auf GitHub.
Umgekehrt gilt genauso: Jemand mit Schreibrechten auf dem Repository wird dadurch nicht automatisch zum Odoo.sh-Collaborator. Beide Ebenen sollten Sie bewusst aufeinander abstimmen, sonst entstehen entweder Lücken oder ungewollte Rechte.
Für produktive Projekte empfiehlt sich zusätzlich eine Branch Protection Rule auf dem master- beziehungsweise Produktions-Branch, damit niemand versehentlich direkt in die Produktion pusht.
Praxistipps aus dem Betrieb
Vier-Augen-Prinzip statt Einzelkämpfer. Mindestens zwei Admins, aber auch nicht beliebig viele. Zwei bis drei sind für die meisten Projekte ein guter Kompromiss zwischen Ausfallsicherheit und Kontrolle.
Offboarding mitdenken. Wer das Unternehmen oder das Projekt verlässt, wird an beiden Stellen entfernt: im Odoo.sh-Projekt und im GitHub-Repository. Setzen Sie sich dafür einen festen Punkt auf Ihre Offboarding-Checkliste.
Zugriffe dokumentieren. Halten Sie fest, wer wann welche Rolle bekommen hat und warum. Das erspart Ihnen bei der nächsten Prüfung viel Sucherei, und im DSGVO-Kontext ist es ohnehin sinnvoll, den Zugriff auf Produktivdaten nachvollziehbar zu begründen.
Audit Logs nutzen. Als Admin haben Sie Zugriff auf die Audit Logs des Projekts. Ein gelegentlicher Blick hinein lohnt sich, gerade nach Personalwechseln.
Fazit
Einen zusätzlichen Administrator anzulegen ist technisch trivial, organisatorisch aber eine Entscheidung mit Gewicht. Admin bedeutet vollen Zugriff auf Produktivdaten und Einstellungen. Prüfen Sie deshalb vorher, ob wirklich Admin nötig ist oder ob Tester beziehungsweise Developer für den Anwendungsfall ausreicht.
Und wenn Sie bisher der einzige Admin Ihres Projekts sind: Erledigen Sie es heute. Es dauert zwei Minuten und erspart Ihnen im Ernstfall einen sehr unangenehmen Tag.
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Titelbild: Dan Taylor on Unsplash